IM MEMORIAM Prof. Dr. Ludwig Schrader (1932 – 2014)

Das Institut für Romanistik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf trauert um Ludwig Schrader, den spiritus rector des Instituts und Gründungsdekan der Philosophischen Fakultät.
Der in Dresden geborene Ludwig Schrader studierte in Hamburg, Murcia und Bonn, wo er 1958 als Schüler von Walter Pabst mit seiner Studie Panurge und Hermes. Zum Ursprung eines Charakters bei Rabelais promovierte. Als Assistent von Walter Pabst wechselte Ludwig Schrader 1959 an die Freie Universität Berlin, um dort seine literaturwissenschaftliche Expertise in drei Kultur- und Sprachräumen der Romania zu erweitern. Von diesem breiten fachlichen Spektrum zeugt beispielhaft seine Habilitationsschrift Sinne und Sinnesverknüpfungen. Studien und Materialien zur Vorgeschichte der Synästhesie und zur Bewertung der Sinne in der italienischen, spanischen und französischen Literatur, die 1969 erschien und wie schon seine Dissertation in der Fachwelt große Beachtung fand. Höchst nachhaltige Impulse erfuhr die romanische Literaturwissenschaft durch ein viertes Arbeitsfeld, das Ludwig Schrader im Bereich der spanischsprachigen lateinamerikanischen Literaturen fand. Einladungen zu Gastprofessuren in Guatemala und Argentinien 1990 und 1993 bestätigen das ausgezeichnete Renommee, das Ludwig Schrader auch in der Lateinamerikanistik genoss.

Unmittelbar nach seiner 1967 erfolgten Habilitation stand Ludwig Schrader vor der Wahl, einen Ruf an die Universität Köln oder an die neu gegründete Universität Düsseldorf anzunehmen. Dass er sich für Düsseldorf entschied, kann als Ausdruck seines Gestaltungswillens und seines großen Engagements für eine moderne und zugleich den besten philologischen Traditionen verpflichtete Romanistik gewertet werden. Ludwig Schrader war im Wintersemester 1968 der Gründungsvater der Düsseldorfer Romanistik, die vor dem Bau des heutigen Campus als Teil der Philosophischen Abteilung der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät in der Haroldstraße, im Herzen der Stadt, untergebracht war.
Als erster Dekan der Philosophischen Fakultät stellte Ludwig Schrader maßgeblich die Weichen für eine interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit, die auch heute noch zu den Stärken der Fakultät zählt. Sicherlich hat es zur Konsolidierung der noch jungen Düsseldorfer Universität beigetragen, dass eine Persönlichkeit wie Ludwig Schrader im Rahmen der akademischen Selbstverwaltung neben dem Dekanat viele weitere Tätigkeiten übernahm. So war er Mitglied des Senates sowie zahlreicher universitärer Kommissionen und wirkte im Kuratorium des Forschungsinstituts für Mittelalter und Renaissance (FIMUR), einer bis heute  bestehenden Einrichtung, mit. Er initiierte die älteste Universitätspartnerschaft der HHUD mit der Universität Nantes sowie die Partnerschaft mit der Universität Alicante. Von 1981 bis 1985 übernahm er den Vorsitz des Deutschen Hispanistenverbandes und arbeitete von 1980 bis 1986 als Schatzmeister des Internationalen Hispanistenverbandes. Nach der deutschen Wiedervereinigung brachte er seine vielfältigen Erfahrungen erfolgreich bei dem Wiederaufbau des Instituts für Romanistik an der Universität Rostock ein.

Ludwig Schrader, dessen zahlreiche, in ihrer Thematik und Methodik unvermindert aktuelle Publikationen den breiten Zeitraum von der Renaissance bis zur Gegenwartsliteratur erschließen, war nicht nur eine hochkarätige Forscherpersönlichkeit. Er besaß auch die für einen Hochschullehrer nicht minder wichtige Gabe, seinen Studierenden, aus deren Reihen so angesehene Romanisten wie Karl Hölz, Siegfried Jüttner, Rainer Stillers und Christoph Strosetzki hervorgingen, die Liebe zu den romanischen Sprachen, Kulturen und Literaturen zu vermitteln. Sein warmherziges, einnehmendes Wesen hat Generationen von Studierenden, Kolleginnen und Kollegen geprägt. Umso schmerzlicher war es für alle, die Ludwig Schrader persönlich begegnen durften, dass er nach 1994 infolge einer schweren Erkrankung seine Arbeit als Hochschullehrer und Forscher nicht mehr fortsetzen konnte. Seit diesem Schicksalsschlag lebte Ludwig Schrader im Kreise seiner Familie im friesischen Jever, wo er schon einen Teil seiner Jugend verbracht hatte. Am 10. August 2014 ist Ludwig Schrader verstorben. Das Institut für Romanistik wird ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.

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Verantwortlich für den Inhalt: E-Mail sendenUniv.-Prof. Dr. Frank Leinen