Phraseologie

Auch wenn in den letzten beiden Jahrzehnten sehr viel über Phraseologie in zahlreichen Einzelsprachen erschienen ist (vgl. Burger et al. (Hg.) 2007), darunter auch interdisziplinäre Studien (Granger/Meunier (Hg.) 2008) und fremdsprachendidaktische Überlegungen (Meunier/Granger (Hg.) 2008), ist die sprachvergleichende Phraseologie nach wie vor unterrepräsentiert. Im Mittelpunkt meiner Interessen stehen deshalb zwei Forschungsrichtungen:

a) die kontrastive Phraseologie insbesondere der Sprachenpaare Deutsch/Italienisch (zuletzt Handschuhmacher 2014, Mollica 2015) und Deutsch/Französisch (Kauffer 2013, Schafroth 2014); angewandt wir diese Perspektive seit 2014 in der Lernerplattform Italienisch (Rubrik Phraseme).

b) die mehrsprachige Phraseologie: Im Mailänder Projekt FRAME (Fraseologia Multilingua Elettronica; www.fraseologia.it/gfm), das auf dem konstruktionsgrammatischen Ansatz der Lernerplattform Italienisch (lp-italienisch.de) basiert, werden, ausgehend von Beschreibungskategorien wie Formalilitätsgrad, Medium, Verhältnis zwischen den Gesprächspartnern, Konnotation, semantisches Feld, Sprechakt, Phraseme, besonders Idiome, Routineformeln und Phrasem-Konstruktionen, zu sieben Sprachen (Chinesisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Russisch und Spanisch) onomasiologisch erfasst. Durch die korpusbasierte Methode sind ferner detaillierte Beschreibungen prosodischer, morphologischer, syntaktischer, semantischer, pragmatischer und diskursiver Besonderheiten möglich (semasiologische Beschreibung). Die Suchfunktionen sind multipel gestaltet: über die Form eines Phrasems, über eine oder mehrerer Sprachen und über jeden der erfassten Parameter. Auf diese Weise entsteht eine Datenbank, die eine echte Vergleichbarkeit von Phrasemen zwischen mehreren Sprachen in Bezug auf eine Vielzahl von Parametern ermöglicht. Ein Beispiel: Welche Idiome gibt es im Französischen, Italienischen, Spanischen und Deutschen, die aus dem semantischen Feld Ungeduld stammen, informell sind, den Sprechakt des Vorwurfs realisieren und eine Nähe zwischen den Gesprächspartnern voraussetzen?

Literatur

Benigni, Valentina/Cotta Ramusino, Paola M./Mollica, Fabio/Schafroth, Elmar (2015): How to apply CxG to phraseology: a multilingual research project. Journal of Social Sciences 11/3, S. 275-288. undefinedthescipub.com/PDF/jssp.2015.275.288.pdf (20.09.2016).

 

 

Verantwortlich für den Inhalt: E-Mail sendenUniv.-Prof. Dr. Frank Leinen