Forschungsprojekte und Forschungsinteressen

Auf dieser Seite finden Sie die Forschungsprojekte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Romanistik IV.

undefinedUniv.- Prof. Dr. Elmar Schafroth

undefinedDr. Martina Nicklaus

undefinedDr. Karin Ewert-Kling

undefinedProf. Dr. Mechthild Bierbach

Digitale Lehre zum Themenbereich "Phraseologie"

Tutorialreihe zum Thema "Phraseologie". Hier geht's zu den Videos

undefinedGebrauchsbasierte Phraseologie des Italienischen

Seit August 2018 wird an der Universität Düsseldorf das auf drei Jahre angelegte DFG-Forschungsprojekt Gebrauchsbasierte Phraseologie des Italienischen (https://gephri.phil.hhu.de/) durchgeführt. Hauptziel von GEPHRI ist es, die auf der Basis von Frequenzanalysen ermittelten 600 häufigsten verbalen Idiome des Italienischen mit Methoden der Korpuslinguistik in einer Datenbank ganzheitlich zu beschreiben und dazu beizutragen, eine in dieser Weise nirgends dokumentierte verstehensrelevante Darstellung des „Funktionierens“ eines Phrasems (auch in pragmatischer und diskursiver Hinsicht) umzusetzen.

Die Beschreibung der formalen und inhaltlichen Besonderheiten von Phrasemen erfolgt auf der Basis italienischer Sprachkorpora wie PAISÀLa Repubblica, CORIS und itTenTen16 sowie nach den gängigen zweisprachigen und einsprachigen Wörterbüchern (auch phraseologischen Spezialwörterbüchern) des Italienischen. Zu den Deskriptoren gehören ferner begleitende Gesten und prosodische Merkmale, die, wann immer dies möglich ist, durch Videomaterial illustriert werden.

Der theoretische Impetus zu diesem Projekt erfolgte durch die Fillmoresche Verstehens- und Framesemantik und durch gebrauchsbasierte Ansätze der Konstruktionsgrammatik.

Da GEPHRI wissenschaftliche und didaktische Ziele verfolgt, wird dem L2-/LS-Aspekt (Italienisch als Zweit- oder Fremdsprache) ausgiebig Rechnung getragen: z.B. durch die Formulierung leicht verständlicher „Gebrauchshinweise“ zu einem Phrasem, die Differenzierung des modellierten sprachlichen Phrasemwissens in eine Basis- und eine Detailebene und durch eine kontrastive Perspektive für Deutschsprachige (eigene, korpusbasierte Bedeutungsparaphrasen).

undefinedLernerplattform Italienisch

Diese Datenbank ist eine in dieser Form einmalige umfangreiche Dokumentation einer Vielzahl  lernerspezifischer und lernerrelevanter Phänomene der italienischen Sprache undefinedmehr

undefinedKonstruktionsgrammatik

CxG und L2 sowie CxG und Phraseologie undefinedmehr

undefinedSprache und Musik

Im Mittelpunkt steht die Frage nach den phonologischen und prosodischen Eigenschaften und Möglichkeiten einer Sprache, um auf die Vielfalt der durch die Musik vorgegebenen Schemata  „flexibel“ zu reagieren undefinedmehr

undefinedMultilingual phraseology

How to Apply CxG to Phraseology: A Multilingual Research Project (Forschungsprojekt mit der Università degli Studi di Milano) undefinedmehr

undefinedWeitere Forschungsschwerpunkte

Überblicksseite zu den wichtigsten Forschungsthemen undefinedmehr

Dr. Martina Nicklaus
Literarische Übersetzung: 

Linearisierung in literarischer Translation, gesehen aus sprachwissenschaftlicher Perspektive: Identifikation der Probleme und Vorschläge für Lösungen

(Förderung durch den Strategischen Forschungsfonds - 2012, Habilitationsprojekt)

  • Einzig für seine Frau hatte er Augen. (Franck, Mittagsfrau: 43)
  • Il n'avait d'yeux que pour sa femme. (Franck/Landes, Femme: 48) 
  • Lui aveva occhi solo per sua moglie. (Franck/Galli, Strega: 39)
  • Sólo tenía ojos para su esposa. (Franck/Santana: 46)

Ziel des Projekts ist die Formulierung konkreter Übersetzungsvorschläge für ausgewählte Linearisierungsphänomene, die bei der Übertragung romanischsprachiger literarischer Ausgangstexte ins Deutsche notorisch problematisch sind und oft zu fremd anmutenden Zieltextformulierungen führen. Die Empfehlungen werden als Grundlage für praktische Übersetzungsarbeit verstanden und basieren auf den in der Zielsprache üblichen, präferierten Versprachlichungsmustern. Auf der Basis von Ergebnissen aus kontrastiv-linguistischen Studien sollen diese Präferenzen ermittelt werden. Dabei soll mit Befunden auslandsgermanistischer Forschung, d.h. mit Befunden aus dem anderen muttersprachlichen Blickwinkel abgeglichen werden, so dass sich eine praktisch erschöpfende kontrastive Darstellung ergibt – ein Ansatz, der bisher noch nicht vorgeschlagen worden ist. 

Êtes-vous à la page? Phraseologie und Randbereiche der Phraseologie

... *'Sind Sie auf der Seite?' – Das wird hier gewiss nicht gefragt! Denn es geht überhaupt nicht um eine page – 'Seite'; être à la page ist ein Phrasem und kann somit nicht wörtlich verstanden werden. Êtes-vous à la page? bedeutet eher: 'Sind Sie auf dem neuesten Stand [der Mode]?' Phraseme wie être à la page sind Wortverbindungen, die über eine besondere Festigkeit verfügen. Diese Festigkeit kann wie im genannten Beispiel durch eine Übertragung der Gesamtbedeutung eines komplexen Ausdrucks entstehen (oder besser: entstanden sein). Hier wurde die Bedeutung "auf der Seite sein" übertragen auf die Bedeutung "auf dem neuesten Stand sein". Die Übertragung funktioniert – so eine mögliche Erklärung -, weil die Gesamtheit der neuesten Kenntnisse einem durchzublätternden Heft gleichgesetzt wurden. 
Im Zentrum des Projekts stehen jedoch die wesentlich weniger spektakulären, aber für den Lexikographen und den Übersetzer tückischeren Ausdrücke, deren Festigkeit nicht auf einer Bedeutungsübertragung beruht. Dass bei diesen Ausdrücken überhaupt etwas besonders fixiert ist, tritt mitunter erst im Sprachvergleich zu Tage. So bedeutet femme de ménage nicht etwa 'Hausfrau', genauer: 'Frau, die sich mit dem eigenen Haushalt beschäftigt und ihn organisiert', sondern 'Putzfrau', genauer: 'Frau, die fremde Haushalte sauberhält'. Beide Gesamtbedeutungen wären aus den Einzelbedeutungen herleitbar, nur die zweite Bedeutung jedoch ist die richtige. D.h. die Kombination an sich bewirkt eine bestimmte Bedeutung. 
Noch unscheinbarer ist die Festigkeit im folgenden Fall. Avoir trouvé une bonne solution müsste mit 'eine gute Lösung gefunden haben' übersetzt werden, avoir trouvé la bonne solution aber mit 'die (einzig) richtige Lösung gefunden haben'. Auslöser für die zweite Bedeutung ist der definite Artikel, genauer: die zweite Bedeutung – 'richtig' – wird nur bei attributivem Gebrauch von bon innnerhalb einer definiten Nominalphrase aktualisiert. 
Sowohl eine bestimmte Bedeutung von page als auch eine bestimmte Bedeutung von ménage und bon sind somit fest an spezifische Umgebungen gebunden. Während diese Bindung im Falle von page im Wörterbuch deutlich markiert wird, ist die bei ménage vorliegende Bindung im Petit Robert nicht unter ménage, aber wenigstens unter femme kenntlich gemacht wird, ist die bei  bon vorliegende Bindung an eine bestimmte Umgebung nur indirekt an den Verwendungsbeispielen im Wörterbuchartikel ablesbar. 
Angestrebt ist im Projekt eine möglichst systematische Erfassung solcher unauffälliger Gebundenheiten.

Chépa und c 6: Französisch und Italienisch in den elektronischen Medien

Chépa ist die Realisierung von "Je ne sais pas" im Chat. Das italienische c 6  entspricht einem "ci sei?" und die in Chats international anzutreffende Abkürzung lol steht für eng. "laughing out loud", somit etwa für 'ich bin amüsiert', neuerdings auch für: "lots of love", also etwa: 'alles Liebe'. Die elektronischen Medien ermöglichen zur Kommunikation zwar lediglich Sprache in geschriebener Form, bringen aber aufgrund des im Vergleich zu klassischer geschriebener Kommunikation äußerst schnellen, beim Chat fast synchronen Informationsaustauschs ganz eigentümliche graphische und orthographische, an Mündlichkeit orientierte Ausprägungen der geschriebenen Sprache hervor. 
Ziel des Projekts ist eine möglichst präzise Verortung dieser Ausprägungen von Sprache, die nur grob als "medial schriftlich, konzeptionell mündlich" identifiziert werden können. Geklärt werden muss etwa der Status von emoticons, die sowohl in e-mails als auch im Chat eine bedeutende Rolle spielen. Auch hier scheinen bisherige Erklärungen, die in emoticons schlicht das Substitut von mimischen Signalen sehen, noch unbefriedigend.
 Last but non least wird die in regelmäßigen Abständen von besorgten Journalisten und anderen Sprachverwendern aufgeworfene besorgte Frage zu beantworten sein, ob Sprache durch die Verwendung in elektronischen Medien tatsächlich verkümmert oder verarmt.   

L'appetito vien mangiando. Kontrastive Grammatik Italienisch/Französisch-Deutsch

'Der Appetit kommt' – 'beim Essen', 'wenn man isst', oder gar: 'essend'? Da das Deutsche nicht über eine dem Gerundium, d.h. über eine der Verbendung -ndo äquivalente Form verfügt, muss bei der Übersetzung paraphrasiert werden. Für welche Paraphrase sich der Übersetzer entscheidet, hängt davon ab, welche Funktion er dem Gerundium zuweisen möchte. Geht man etwa davon aus, dass  ein –ndo lediglich den vorangehenden Verbstamm mit dem restlichen Satz verknüpft, ähnlich wie ein und, ginge eine Übersetzung mit einem Konditionalsatz – "wenn man isst" – bereits entschieden zu weit und es dürfte lediglich übersetzt werden: 'Man isst und der Appetit kommt'. Aber auch grammatische Formen, für die auf den ersten Blick ein deutsches Äquivalent vorliegt, erweisen sich mitunter als problematisch: so übernimmt der italienische definite Artikel in: "Il presidente ha firmato la legge." zweifellos dieselbe Funktion wie der in: "Der Präsident hat das Gesetz unterzeichnet". In "L'amicizia è un dono prezioso/L'amitié est un cadeau précieux" dagegen erfüllt der definite Artikel l' offensichtlich eine Funktion, die der deutsche Definitartikel nicht abdeckt, die Übersetzung muss lauten: "Ø Freundschaft ist ein Geschenk". Im Projekt sollen, auf der Basis eines einheitlichen Beschreibungsrasters, die in ihrer Struktur divergierenden Realisierungen bestimmter grammatischer Funktionen im Deutschen und Italienischen/Französischen erfasst werden.

Dr. Karin Ewert-Kling
Phraseme und Phraseoschablonen im Zeichen von Construction Grammar und Sens-texte-Theorie. Eine lexikographische Analyse und Vorschlag eines digitalen didaktischen Wörterbuchs (PhraseoFrame) für L2-Lerner des Französischen (Habilitationsprojekt)
LD und RD: Topic-markierende Konstruktionen im gesprochenen Französisch und Spanisch (Promotionsprojekt):

 

Unter formalem und funktionalem Aspekt werden Left Detachment- und Right Detachment-Konstruktionen (LD und RD) im gesprochenen europäischen Französisch und Spanisch untersucht. Wichtig ist hierbei die Klärung der Begriffe Topic/Comment, Thema/Rhema und Fokus sowie die detaillierte formale und funktionale Analyse von LD und RD anhand authentischer Corpusbeispiele. Interessant ist des Weiteren die kontrastive Betrachtung und die Klärung der Frage, in wie weit sich LD und RD in den hier untersuchten Sprachen voneinander unterscheiden, und in welchen Kontexten LD und RD deutliche Grammatikalisierungs- bzw. vielmehr Pragmatikalisierungstendenzen aufweisen. Vor allem im interaktiven Diskursbereich ist eine pragmatische Routinisierung von LD und RD zu erkennen, so dass diese Konstruktionen in diesen Situationen als reine Diskursmarker (z.B. für turn-taking, turn-giving oder für die Subjektivierung etc.) zu interpretieren sind. Ihre Topic-markierende Funktion haben sie in diesen Kontexten bereits vollständig eingebüßt.

Prof. Dr. Mechtild Bierbach
Geschichte der französischen und spanischen Lexikographie

(Prof. Dr. M. Bierbach, Dr. B. v. Gemmingen)
Innerhalb dieses Gebietes wird einerseits der Beginn der französischen Lexikographie in ihren geistes- und kulturgeschichtlichen Zusammenhängen erforscht; andererseits gilt nach wie vor die Untersuchung exemplarischer Wörterbücher, ihrer Prinzipien und Methoden als Arbeitsschwerpunkt.

La lexicografía española en el siglo XIX y sus relaciones con la lexicografía de otras lenguas románicas, especialmente la francesa

(Prof. Dr. M. Bierbach, Dr. B. v. Gemmingen, gemeinsam mit Dolores Azorín Fernández)
Gemeinsames Forschungsprojekt seit SS 2000 mit der Partneruniversität Alicante, in dessen Rahmen internationale Kolloquien und entsprechende Publikationen geplant sind. Wesentliche Basis dieses Projekts sind die zahlreichen Primärquellen zum Thema, die im "Archiv für französische und romanische Lexikographie und Grammatikographie" des Düsseldorfer Romanischen Seminars zugänglich sind. Eine kulturwissenschaftliche Fragestellung ist eine der Basiskomponenten des Projekts.

Verantwortlich für den Inhalt: E-Mail sendenProf. Dr. Rolf Kailuweit